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"Allerorten beginnt man, sich über Nomaden den Kopf zu zerbrechen"
Vilém Flusser
Vilém Flusser gilt international als einer der einflußreichsten
Medienphilosophen der letzten Jahrzehnte. Seine Texte zum technischen
Universum der Bilder, seine charismatischen Vorträge und engagierten
Debatten über die neuen Medien haben Akademiker und Künstler
gleichermaßen herausgefordert und fasziniert.
Vilém Flusser wurde 1920 in Prag geboren und wuchs in einer jüdischen
Gelehrtenfamilie auf. 1940 emigrierte er mit seiner späteren Frau
Edith über London nach Brasilien. Nach leitenden Tätigkeiten
in der Industrie wurde er 1963 Professor für Kommunikationsphilosophie
an der Universität São Paulo. 1972 ging er nach Europa zurück
und ließ sich in Frankreich nieder. Zahlreiche Buchveröffentlichungen
auch in deutscher Sprache erscheinen. 1991 kam Flusser bei einem Verkehrsunfall
ums Leben, auf der Rückreise von seinem ersten Pragbesuch nach der
Emigration.
Der Nachlaß Vilém Flussers umfaßt rund 2.500 Manuskripte,
seine Veröffentlichungen, aber auch Bücher und Zeitschriften,
mit denen er gearbeitet hat sowie seine umfangreiche Korrespondenz. Die
Arbeiten sind überwiegend in deutscher, aber auch in englischer,
französischer und portugiesischer Sprache verfaßt. Die Materialien
sind formal und inhaltlich vorsortiert. Der Kunsthochschule für Medien
bietet sich hier eine einzigartige Möglichkeit, das Werk eines herausragenden
zeitgenössischen Kommunikations- und Medienphilosophen zu pflegen
und von Nordrhein-Westfalen aus der interessierten Weltöffentlichkeit
Zugang zu gewähren.
Denn der Nachlaß soll in Köln nicht ruhen. Flusser schätzte
bewegte "Behälter" und Zelte mehr als Häuser: "Die
sich im Wind blähende Zeltwand sammelt die Erfahrungen, prozessiert
sie und sendet sie aus, und ihr ist es zu verdanken, daß das Zelt
ein kreatives Nest ist", schrieb er. Die Kunsthochschule für
Medien versteht das Flusser-Archiv als Aufforderung, dem Wind zu trauen.
Sie setzt auf die Streuung von Flussers Arbeiten in den digitalen Strömungen
des Internet.
Gemeinsam mit Archivaren und Informatikern wird ein Konzept entwickelt,
wie der Nachlaß im Internet zugänglich gestaltet werden kann.
Geplant ist die Erschließung des Archivs nach bibliothekarischer
Systematik und die vollständige Digitalisierung der Texte. Ein "Katalog"
soll in Verbindung mit einer Auswahl aus den Volltexten im Rahmen der
"Digitalen Bibliothek NRW" zur Verfügung gestellt werden.
Denkbar ist ferner, parallel zur Erschließung der Materialien, eine
digitale Fachbibliothek zur Person Vilém Flussers anzulegen. Eine
Internet-Recherche ergibt bereits jetzt ein Suchergebnis von über
2000 Einzelnachweisen. TOP
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